Mir selbst zum Geburtstag

Als ich endlich bei mir angekommen war, hörte ich auf,
zum nächsten Bus zu rennen und Einkaufsschlangen zu hassen.
Und ich habe begonnen, die Erde mit den Füßen zu segnen.

Als ich endlich bei mir angekommen war, hörte ich auf,
die abweisenden Blicke stolzer Frauen auf mich selbst zu beziehen.
Und ich habe begonnen, die Gefühle eines jeden Menschen zu ehren.

Als ich endlich bei mir angekommen war, hörte ich auf,
mich an der schlechten Laune der Leute zu reiben.
Und ich habe begonnen, mein Lächeln in diese Welt zu senden.

Als ich endlich bei mir angekommen war, hörte ich auf,
mich über meine Mutter zu ärgern.
Und ich durfte erkennen, dass immer nur tiefe Liebe uns verbunden hatte.

Als ich endlich bei mir angekommen war, hörte ich auf,
mich nach der Berührung meines Vaters zu sehnen.
Und ich habe begonnen, seine Zartheit zuzulassen.

Als ich endlich bei mir angekommen war, hörte ich auf,
meine Beziehungen zu klären.
Und ich habe begonnen, klare Beziehungen zu leben.

Als ich endlich bei mir angekommen war, hörte ich auf,
Recht haben zu wollen.
Und ich habe begonnen, Frieden zu erleben.

Als ich endlich bei mir angekommen war, hörte ich auf,
mich wegen meiner Fehler zu verurteilen.
Und ich habe begonnen, mich mit liebevollen Augen zu betrachten.

Als ich endlich bei mir angekommen war, hörte ich auf,
meine Ressourcen zu optimieren und Potenziale auszuschöpfen.
Und ich habe begonnen, einfach der Mensch zu sein, der ich bin.

Als ich endlich bei mir angekommen war, hörte ich auf,
nur in Heiligen Ritualen die Stille der Schöpfung zu spüren.
Und ich habe begonnen, dem Leben in jedem Moment zu danken.

Als ich endlich bei mir angekommen war, hörte ich auf,
nach einer besseren Zukunft zu streben.
Und ich habe begonnen, die Gegenwart mit meinem Herzen zu umarmen.

Als ich endlich bei mir angekommen war, hörte ich auf,
andere Menschen zu verurteilen.
Und ich habe begonnen, mich selbst zu lieben.

Manuel B. Breuer, im Januar 2018